Fluoreszenzdiagnostik
Die Fluoreszenzdiagnostik (FD) oder photodynamische Detektion (PD) ist ein neuartiges Verfahren zur in-vivo-Diagnostik von dysplastischen Geweben und oberflächlichen Tumoren. Wie bei der Photodynamischen Therapie (PDT) wird ein Photosensibilisator lokal oder systemisch appliziert, der sich selektiv in Tumorzellen anreichert. Durch die Bestrahlung mit Licht werden die Sensibilisatormoleküle zum fluoreszieren gebracht. Das emittierte Fluoreszenzlicht kann durch ein optisches System dargestellt und somit zur Lokalisierung des Tumors verwendet werden.
In der Dermatologie wird als Photosensibilisator nahezu ausschließlich Protoporphyrin IX (Pp IX) verwendet, das nach lokaler Gabe von 5-Aminolävulinsäure (5-ALA) oder deren Ester und 2-3 stündiger Inkubation in den Zellen entsteht (Abb. 1). Unter physiologischen Bedingungen wird die Bildung von 5-ALA aus Glycin und Succinyl-CoA in den Mitochondrien durch die ALA-Synthase reguliert. Führt man ALA exogen zu, wird der Feedbackmechanismus umgangen und es kommt zur Anreicherung von Porphyrinen, insbesondere Pp IX [1].

Abb. 1: Anreicherung von Protoporphyrin IX (Pp IX) nach topischer Gabe von 5-Aminolävulinsäure (5-ALA) bei der Häm-Biosynthese
Durch die Bestrahlung mit blauem Licht werden die Sensibilisatormoleküle in energetisch höher liegende Zustände angeregt und geben die gespeicherte Energie zum Teil als Fluoreszenzlicht wieder ab. Durch das von der Firma BIOCAM speziell entwickelte und zum Patent angemeldete Aufnahmeverfahren ist erstmals die simultane Darstellung von klinischem Farbbild und deckungsgleichem Fluoreszenzbild möglich (Abb. 2).
Abb. 2: Darstellung eines soliden Basalzellkarzinoms an der Nase einer 61-jährigen Patientin als a Farbbild, b Fluoreszenzbild, c Falschfarbenbild und d Überlagerungsbild
Gerade in vorbehandelten oder vernarbten Hautarealen, in denen das Erkennen von Rezidiven äußerst schwierig sein kann, ist die FD ein nützliches Verfahren, um initiale Tumoren aufzuspüren und die Diagnose bioptisch zu sichern [2]. Durch die Überlagerung von Fluoreszenz- und Farbbild mit Hilfe des DYADERM-Systems erhält man dabei die Möglichkeit die erscheinenden Fluoreszenzherde exakt zu lokalisieren und diese auf der Haut zu markieren. Ebenso kann die FD bei der Resektion von Tumoren ein nützliches Hilfsmittel sein, um die Operationswunde durch gezielte Exzision so klein wie möglich zu halten [3].
[1] Kennedy JC, Pottier RH. Endogenous protoporphyrin IX, a clinically useful photosensitizer for photodynamic therapy. J Photochem Photobiol (B) 1992; 14: 275-92
[2] Ackermann G, Abels C, Karrer S, Bäumler W, Landthaler M, Szeimies RM. Fluoreszenzgestützte Biopsie von Basalzellkarzinomen. Hautarzt 2000; 51: 920-24
[3] Fritsch C, Becker-Wegerich PM, Schulte K-W, Neuse W, Lehmann P, Ruzicka T, Goerz G. Photodynamische Therapie und Mamillenplastik eines großflächigen Rumpfhautbasalioms der Mamma – Effektive Kombinationstherapie unter photodynamischer Diagnostik. Hautarzt 1996; 47: 438-42
